Es geht auch ohne mich!

Es geht auch ohne mich!

Über den Sinn, in seiner Gewerkschaft Mitglied zu sein.

von Martin Kalt 
VNSB - Stellv. Vorsitzender M. Kalt
Martin Kalt ist seit 2001
für den VNSB gewerkschaftlich
tätig und Personalratsmitglied
in der JA Hameln. Seit 2004
ist er stellv. Landesvorsitzender
des VNSB und seit 2005 stellv.
Vorsitzenderim dbb beamtenbund
und tarifunion im
Landesbund Niedersachsen


Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, welchen Sinn die Mitglied- schaft im VNSB oder einer anderen Fachgewerkschaft hat. Sind die Beiträge, die ich jeden Monat zahle, gut angelegt? Für mich, als Mitglied des Landesvorstandes, stellt sich diese Frage natürlich nicht. Dennoch höre ich es immer wieder: „Was könnt Ihr denn schon ändern?“ oder „Auf mich kommt es nicht an!“ Es sind diese oder andere Aussagen, die einen ins Grübeln bringen. Ist die Arbeit des VNSB so undurchsichtig? Sind wir nicht in der Lage, unsere Arbeit ins richtige Licht zu setzen?

Zunächst muss man sich wohl klar darüber werden, welche Funktion eine Fachgewerkschaft einnimmt. Die aktuelle Diskussion über Mindestlöhne in bestimmten Arbeitsbereichen zeigt, dass dort eine funktionierende Arbeitnehmervertretung nicht stattfindet. Der Staat, eigentlich außen vor bei Tarifverhandlungen, muss durch Gesetzes- initiativen einen Mindestlohn für die Arbeitnehmer sichern. Ein wesent- liches Argument für diese Handlungsweise des Staates ist, dass ohne, oder mit nur einer schwachen Gewerkschaft in dem Bereich, die Arbeitnehmer vor Lohndumping nicht geschützt sind.

Dieses Beispiel ist selbstverständlich auf den öffentlichen Dienst nicht anwendbar. Es zeigt aber welchen Weg wir gehen, wenn es uns nicht gelingt, als gleichwertiger Partner die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Zweifellos mussten wir mit ansehen, wie die Landesregierung Kürzungen unserer Bezüge und Einschnitte in die Beihilfe vorgenommen hat. Aber schon damals haben wir mit unserer Arbeit noch größere Zäsuren verhindert. Daher geht es bei uns im Öffentlichen Dienst auch um das Einkommen des Einzelnen und um die Arbeitsbedingungen in unseren Dienststellen.

Aber kommen wir auf das einzelne Mitglied zurück. Ist es wirklich so, dass ich als Individuum keinen Einfluss habe? Ich denke nicht. Schon mit meiner Mitgliedschaft nehme ich direkt auf Erfolg oder Misserfolg der gewerkschaftliche Arbeit meines Verbandes Einfluss. Die Kundgebung in Meppen in diesem Jahr hat es gezeigt. Ohne die Beteiligung von 1.400 Kolleginnen, Kollegen, Angehörigen und den Unterstützern aus den befreundeten Verbänden und Gewerkschaften, wäre es für den VNSB sehr schwer gewesen, seine Ziele zu erreichen.

Ein weiterer Punkt ist die Finanzierung der Arbeit des Verbandes. Wie sollen Informationen verbreitet werden? Wie sollen Kundgebungen realisiert werden? Wie können Mandatsträger ihre Aufgaben wahrnehmen? Dieses ist nur mit den Mitgliedsbeiträgen möglich. Darum muss die Frage erlaubt sein: „Für wen wird der VNSB tätig?“ Sind wir ein gemeinnütziger Verein oder gar eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, für Alles und Jeden zuständig?

Wenn man den Worten der nichtorganisierten Arbeitnehmer lauscht, gewinnt man diesen Eindruck. Diese sollten sich aber darüber klar sein, dass sie als Trittbrettfahrer, die Durchsetzungsfähigkeit ihrer Interessenvertretung riskieren. Früher oder später bricht dann der Arbeitgeber gegenüber mit seinen Kürzungen und anderen arbeitnehmerfeindlichen Maßnahmen weiter durch.

Seiner Gewerkschaft beizutreten ist für mich ein Statement und Bekenntnis. Es bedeutet, gemeinsam mehr für den eigenen Arbeitsbereich zu erreichen, sei es materiell oder qualitativ. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, wer nicht in die Gewerkschaft eintritt oder sie verlässt, überlässt die Ordnung seiner Verhältnisse anderen, die nicht seine ureigensten Interessen verfolgen.

Sicher ist es anstrengend mit Hilfe der gewerkschaftlichen Arbeit Erfolge zu verzeichnen, aber gibt es eine realistische Alternative? Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass es sie nicht gibt.

Darum muss es für jeden heißen: „Es geht nicht ohne mich! Ich unterstütze meine Gewerkschaft durch meine Mitgliedschaft.“

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