Brief des niedersächsischen Justizministers Busemann an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des niedersächsischen Justizvollzuges
NIedersächsischer Justizminister Herr Busemann
      Justizminister Bernd Busemann

An alle
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des niedersächsischen Justizvollzuges
                   


Hannover, 26. August 2008                               


Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie werden es vielleicht in der Zeitung gelesen, sicher aber  im Kollegenkreis gehört haben: Vom 14. bis zum  16. August 2008 habe ich zwei Tage und Nächte in der JVA Hannover verbracht. Ich war in einer Einzelzelle untergebracht, dabei den allgemeinen Einschluss- und Aufschlusszeiten unterworfen, habe in einem Ausbildungsbetrieb mitgearbeitet und in der Großküche geholfen. Fachkundige Kolleginnen und Kollegen haben mich an Zugangsge-sprächen beteiligt und mir die Konzeption der Sozialtherapie erläutert. Ich habe an einer therapeutischen Gruppensitzung teilgenommen, mit Gefangenen gegessen, Sport ge-macht und mit ihnen die Freistunde verbracht.

Meine Zeit in der JVA Hannover war aufregend und lehrreich. Sie hat mich tief bewegt, nachdenklich gemacht und meinen Respekt vor Ihrer schwierigen und verantwortungs-vollen Aufgabe noch weiter verstärkt. Ich bin froh, dass ich mich in das “reale Leben“ hinter Mauern begeben habe. Ich habe erstmals ein Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, eingesperrt zu sein. Und ich habe ein Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter hinter den Mauern zu arbeiten. Ich ziehe meinen Hut vor Ihrer Arbeit und danke Ihnen für Ihr Engagement!

Warum habe ich mich zu diesem Aufenthalt in der JVA Hannover entschlossen? Ich hoffe sehr, dass auch aus der öffentlichen Berichterstattung deutlich wird, dass es mir nicht um ein Medienspektakel gegangen ist. Für mich ist es wichtig, mein politisches Handeln auf reale Gegebenheiten abstimmen und die Auswirkungen meiner Entscheidungen möglichst sicher beurteilen zu können. Deshalb war es mir ein besonderes Anliegen, den Vollzugs-alltag sowohl aus der Perspektive der Bediensteten als auch aus der Perspektive der Gefangenen möglichst anschaulich zu erleben. Ich habe viele Gespräche mit Mitarbeit-erinnen und Mitarbeitern geführt und ich habe auf der anderen Seite wie ein Insasse am Anstaltsleben teilgenommen. Ich habe erfahren, wie wichtig die Einzelunterbringung ist, um zumindest etwas Privatsphäre zu haben. Von den Bediensteten weiß ich aber auch, wie wichtig die Gemeinschaftsunterbringung im Einzelfall sein kann. Ich habe unmittelbar erfahren, wie wichtig regelmäßige Beschäftigung im Vollzugsalltag ist. Die berufliche Ausbildung der Gefangenen und ihren betrieblichen Einsatz will ich daher nach Kräften weiter fördern. Ich habe gelernt, wie wichtig die therapeutische Behandlung von Gewalt-tätern und anderen schwer gestörten Gefangenen ist und wie erfolgreich sie sein kann. Der Ausbau der Sozialtherapie, der ja auch in den Koalitionsvereinbarungen der Regier-ungsparteien vereinbart ist, wird mir ein besonderes Anliegen sein.

Ich bin stolz, für diesen leistungsstarken und engagierten niedersächsischen Justizvollzug mit Verantwortung tragen zu dürfen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie können sicher sein, dass ich Ihre Arbeit nach Kräften fördere und unterstütze und in schwierigen Zeiten an Ihrer Seite stehe!



Mit freundlichen Grüßen
und einem herzlichen Dankeschön an alle

Ihr

Bernd Busemann 

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